Jürgen Prochnow, geboren 1941 in Berlin, absolvierte sein Schauspielstudium an der Folkwang-Hochschule in Essen. Nach Engagements in Osnabrück und Aachen spielte er von 1971 bis 1976 am Schauspielhaus Bochum unter Intendant Peter Zadek. Parallel stand er für Kino- und Fernsehfilme vor der Kamera, unter anderem für Wolfgang Petersens ersten Kinofilm EINER VON UNS BEIDEN (1974). Dies blieb nicht die einzige Zusammenarbeit mit dem Regisseur: Es folgten fürs Fernsehen „Tatort: Jagdrevier“ und fürs Kino das Drama DIE KONSEQUENZ (1977). Für seine Darstellung des homosexuellen Schauspielers Martin Kurath wurde Prochnow 1978 mit dem Deutschen Darstellerpreis ausgezeichnet.

Zudem spielte Jürgen Prochnow in Reinhard Hauffs DIE VERROHUNG DES FRANZ BLUM (1973) und Volker Schlöndorffs DIE VERLORENE EHRE DER KATHARINA BLUM (1975). Die Zeitschrift Theater heute ernannte Prochnow 1979 zum Schauspieler des Jahres für seine Darstellung des Franz Moor in Die Räuber von Friedrich Schiller. Der internationale Durchbruch gelang Prochnow mit der Hauptrolle des U-Boot-Kommandanten Henrich Lehmann-Willenbrock in DAS BOOT (1981), einer weiteren Regiearbeit von Wolfgang Petersen. Das Drama über die Besatzung der U-96 wurde für sechs Oscars® nominiert und ebnete sowohl dem Regisseur als auch seinem Hauptdarsteller den Weg nach Hollywood. Dort übernahm Jürgen Prochnow 1983 die Hauptrolle in Michael Manns Horrorfilm DIE UNHEIMLICHE MACHT (1983). Es folgten weitere Rollen in David Lynchs DER WÜSTENPLANET (1984), in der Actionkomödie BEVERLY HILLS COP II (1987) sowie in WEISSE ZEIT DER DÜRRE an der Seite von Marlon Brando.

In der Comicverfilmung JUDGE DREDD (1995) stand er gemeinsam mit Sylvester Stallone vor der Kamera. 1997 war er neben Ralph Fiennes, Juliette Binoche, Willem Dafoe und Colin Firth in Anthony Minghellas Drama DER ENGLISCHE PATIENT zu sehen, das mit neun Oscars® ausgezeichnet wurde. Wolfgang Petersen besetzte ihn in AIR FORCE ONE (1997) als russischen Rebellengeneral Ivan Radek. Unter der Regie von Ron Howard spielte er mit Tom Hanks in der Bestseller-Verfilmung THE DA VINCI CODE – SAKRILEG. In der achten Staffel der Fernsehserie „24“ verkörperte er 2009 den Anführer einer osteuropäischen Verbrecherbande. Seit 2003 besitzt Prochnow die US-amerikanische Staatsbürgerschaft.

Zuletzt stand er für die deutschen Produktionen DIE DUNKLE SEITE DES MONDES (Regie: Stephan Rick) und LEANDERS LETZTE REISE (Regie: Nick Baker-Monteys) sowie unter der Regie von Terrence Malick für die deutsch-kanadische Koproduktion RADEGUND vor der Kamera. Unter der Regie von Atom Egoyan spielte er neben Christopher Plummer in der ebenfalls deutsch-kanadischen Produktion REMEMBER, die 2015 Premiere bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig feierte.

Trotz seiner internationalen Erfolge blieb Jürgen Prochnow dem deutschen Film und Fernsehen stets treu. Für seine Rolle in DAS BOOT erhielt er zur TV-Ausstrahlung 1985 die GOLDENE KAMERA und wurde drei Jahre später für sein Schauspiel in DAS SIEBTE ZEICHEN mit dem Bambi ausgezeichnet. Er gewann den Bayerischen Filmpreis für seine Hauptrolle in Peter Keglevics Actionkrimi DER BULLE & DAS MÄDCHEN (1985) und übernahm die Titelrolle in Keglevics international besetztem Thriller DER SKIPPER (1990). Außerdem wirkte er in deutschen Fernsehfilmen mit, darunter Diethard Klantes „Ohne einander“ (2006), Lars Beckers „Amigo – Tod bei Ankunft“ und dessen „Nachtschicht“-Episode „Das tote Mädchen“ (2010). 2013 erhielt Prochnow den Ehren-Jupiter der Magazine „Cinema“ und „TV Spielfilm“ für sein Lebenswerk. 2015 überreichte ihm auch der tschechische Premierminister im Rahmen des Internationalen Filmfestivals in Zlín den Preis für sein Lebenswerk. In diesem Jahr wurde Jürgen Prochnow in Kolberg beim Suspense Film Festival die insgesamt dritte Auszeichnung für sein Lebenswerk verliehen.



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