Winfried Glatzeder, geboren 1945 im westpreußischen Zoppot bei Danzig, erlernte zunächst den Beruf des Maschinenbauers und schloss danach ein Schauspielstudium an der Hochschule für Film und Fernsehen Babelsberg an, das er 1969 mit einer Diplomarbeit über die Clownsfiguren in William Shakespeares Werken beendete. Von 1970 bis 1982 spielte er am Hans Otto-Theater Potsdam und an der Ostberliner Volksbühne. Er war außerdem in den unterschiedlichsten Kinorollen zu sehen, die ihn auch außerhalb der DDR bekannt machten, u.a. in Siegfried Kühns ZEIT DER STÖRCHE (1971), DER MANN, DER NACH DER OMA KAM (1972, Regie: Roland Oehme), in Heiner Carows Kultfilm DIE LEGENDE VON PAUL UND PAULA (1973) an der Seite von Angelica Domröse. 1975 übernahm er die Titelrolle in Rainer Simons Satire TILL EULENSPIEGEL nach der Filmerzählung von Christa Wolf.

1982 gelang es Glatzeder nach mehreren Anläufen, aus der DDR auszuwandern. Er siedelte nach West-Berlin um und wurde am Schiller-Theater engagiert.

Seit 1982 war er in vielen Kino- und Fernsehfilmen zu sehen, darunter der Fernsehfilm „Bali“ von István Szabó (1983), Miroslav Luthers VERGESST MOZART! (1985), in Margarethe von Trottas ROSA LUXEMBURG (1986) sowie in Diethard Küsters VA BANQUE. Ab 1987 bis 1996 war er Gastschauspieler am Düsseldorfer Schauspielhaus. Von 1996 bis 1998 trat er in zwölf „Tatorten“ als Berliner Kommissar Ernst Roiter auf. In Leander Haußmanns Komödie SONNENALLEE (2000) hatte Glatzeder einen Gastauftritt, der an DIE LEGENDE VON PAUL UND PAULA erinnerte.

Von 1998 bis heute spielt Glatzeder immer wieder am Theater am Kurfürstendamm und am Renaissance-Theater und gibt während seiner ganzjährigen Theater-Tourneen Gastspielauftritte in ganz Deutschland. Mit seiner früheren Filmpartnerin Angelica Domröse trat er, nach knapp 40 Jahren, am Hans Otto-Theater in Potsdam in dem Stück „Filumena Marturano“ mit großem Erfolg auf. Bei den „Jedermann“-Festspielen im Berliner Dom spielte er von 2008-2011 dreimal die Titelrolle, ebenso auch im Meininger Theater, wo er das Stück auch selbst inszenierte. 2012 war er in Barbara Alberts Kinofilm DIE LEBENDEN zu sehen, 2015 spielte er in Peter Kerns letzten Kinofilm, dem Berlinale-Beitrag DER LETZTE SOMMER DER REICHEN.

Mit seiner Autobiografie „Paul und ich“, die im Berliner Aufbau-Verlag erschien, ist er regelmäßig auf Lesereise. Außerdem arbeitet er als Sprecher für Hörspiele, Romane und Werbespots.



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